Urugay hat 100.000 des XO, auch bekannt als "100-Dollar-Laptop", bestellt. Damit hat die "One Laptop per Child" (OLPC)-Initiative des ehemaligen MIT Media Lab Direktors Nicholas Negroponte ihren ersten verbindlichen Auftrag.Für das ambitionierte Non-Profit-Projekt ist dies ein wichtiger Meilenstein, nachdem es zuletzt mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte: Trotz vielstimmiger Unterstützung gelang des nicht, verbindliche Zusagen zu bekommen: "Ich habe zu einem gewissen Grad den Unterschied zwischen dem Handschlag eines Regierungs-Chefs und dem Unterschreiben eines Schecks unterschätzt.", erklärte Negroponte der New York Times. Infolge musste der Zeitplan für die Massenproduktion immer wieder verschoben, der voraussichtliche Preis der Geräte nach oben korrigiert werden.
Nun hat das Laboratorio Tecnológico del Uruguay (Latu) eine Bestellung von letztlich insgesamt 400.000 Geräten aufgegeben. In Uruguay sollen die XO in acht bis neun der 19 Regionen des Landes verteilt werden. Noch im Jahre 2008 soll der Rest des Landes, abschliessend die Haupstadt Montevideo 2009 versorgt werden, so Miguel Brechner, Präsident von Latu. Parallel zum Vetrieb der Notebooks sollen alle Schulen Uruguays an das Internet angeschlossen werden.
Der Zuschlag für das 100$-Laptop erfolgte in einer Auktion bei der das XO sich gegen das Konkurrenzmodell Classmate von Intel durchsetzte. Dabei senkte die Firma Brightstar, die mit dem XO ins Rennen gegangen war, ihr ursprüngliches Angebot von 205 US-Dollar pro Laptop auf 199 US-Dollar. darüber hinaus garantiert Brightstar 1.000 kostenlose Ersatzmaschinen, übernimmt 8 Prozent der Reparaturkosten und übernimmt alle Schulungskosten.
Hintergrund: Ein Laptop für jedes Kind
Das Projekt "One Laptop per Child" (OLPC) geht zurück auf den ehemaligen Direktor des Media Lab am MIT, Nicholas Negroponte. 1999 gründete Negroponte eine Schule in einem kleinen Dorf in Kambodscha. Er installierten eine Satellitenschüssel und einen Generator und gab den Kindern Laptops. Das Ergebnis: Zur Schule zu gehen wurde unter den Kindern wesentlich beliebter, die Schulquote stieg.
Kinder, die noch nie einen Computer gesehen hatten, die nicht einmal Elektrizität kannten, lernten innerhalb weniger Minuten das Prinzip der Maus und brachten sich gegenseitig den Gebrauch des Computers bei. "Das erste englische Wort jedes Kindes in diesem Wort war "Google", so Negroponte.
Die Kinder konnten die Computer mit nach Hause nehmen und brachten ihren Verwandten bei, was sie gelernt, gesehen und gefunden hatten. Die Familien liebten die Computer nicht zuletzt deshalb, weil sie - in einem Dorf ohne Elektrizität - die hellste Lichtquelle des Haushalts waren.
Negroponte entwickelte die Idee, dass wenn jedes Kind sein eigenes Laptop hätte, dies ein Weg sein könnte, das in Entwicklungsländern aufgrund der wenig ausgebauten Bildungsinfrastruktur brachliegende Bildungs-Potential zu erschließen. Der UNESCO zufolge gehen mehr als 100 Millionen Kinder weltweit nicht zur Schule.
Jedoch war klar, dass herkömmliche Laptops für einen massenhaften Einsatz in Entwicklungsländern nicht geeignet sind: Sie sind zu teuer und in Hard- und Software den Bedingungen in Entwicklungsländern nicht angepasst. Also startete Negroponte das nicht-kommerzielle OLPC-Projekt, das völlig ohne öffentliche Gelder arbeitet.
In einer weltumspannenden offenen Entwicklergemeinde arbeiten Programmierer an dem Vorhaben, ein kostengünstiges Laptop für Kinder zu entwickeln.
Der mittlerweile zur Serienreife entwickelte Prototyp besticht durch seine Details: Klein, leicht, robust, wasserdicht, stoßfest, mit einem Display ausgestattet, dass auch das Arbeiten bei direkter Sonneinstrahlung erlaubt, niedrigem Stromverbrauch mit der Möglichkeit durch einen Seilzug oder ein Pedal Strom zu erzeugen. u.v.m.
Befreit von redundanten Ballast arbeitet das XO ausschließlich mit Open Source Software. Über W-Lan können die XO wahlweise ins Internet gehen oder untereinander in einem Mesh-Netzwerk zusammengeschlossen werden.
Der taiwanesische Laptophersteller Quanta erhielt den Zuschlag für das, was sich als umfangreichste Produktion eines Computertyps andeutet. Sobald Negroponte im Voraus bezahlte Bestellungen in Millionenhöhe vorzuweisen hatte, sollte die Produktion beginnen.
Belächelten die Großen der Computerbranche wie Microsoft oder Intel das Projekt (sicherlich nicht zuletzt deshalb, weil sie in dem Vorhaben mit ihren Produkten keinen Platz gefunden hatten), entwickelten sie schließlich eigene Ambitionen, um den gigantischen Markt der Entwicklungsländer nicht kampflos an Open Source gehen zu lassen.
Es entspann sich ein mit harten Bandagen geführter Wettbewerb. Dabei machte Intel - so jedenfalls Vorwürfe von Negroponte - mit diskredetierender PR und lockenden Angeboten Regierungen, die bereits positive Absichtserklärungen für das XO abgegeben hatten, dem OLPC Projekt abspenstig.
Die Auseinandersetzungen nahmen eine unerwartete Wende, als Intel im Sommer 2007 der OLPC Initiative beitrat, womit allerdings der Konkurrenzkampf scheinbar weiterhin nicht vorbei ist.
Nigeria, das bislang immer als 100-Dollar-Laptop Kandidat gehandelt wurde, wurde von Intel testweise mit Classmates, Schulungen und PR-Material eingedeckt. Dies blieb scheinbar nicht ohne Wirkung: Nigeria und Libyen, verkünden ausgerechnet einen Tag, nachdem OLPC den ersten offiziellen Vertrag mit Urugay bekannt gab, den Classmate einzuführen.
Weitere Informationen:
Zu OLPC unter www.laptop.org
Ein sehr schöner Artikel mit einem ebenso gelungenem Video von 60 Minutes findet sich hier...
(Quelle: Golem/BBC/Heise)