Montag, 15. Dezember 2008

25.000 Bäume für 250.000 Lerner

Anstatt Weihnachtskarten zu verschicken und in Fortsetzung unserer Bemühungen um CO2-Neutralität, spenden wir dieses Jahr der Nichtregierungsorganisation Trees for the Future und starten damit etwas Neues - einen Wald.

Mit unserer Spende pflanzt Trees for the Future, in Zusammenarbeite mit der in Kenia ansässigen Wide Rescue Initiative Organization (WiRIO), 25.000 Bäume in Keroka, Kenya. Dort unterhält WiRIO bereits eine Baumschule mit c.a. 20,000 Sätzlingen.

Warum 25.000 Bäume? Mit 250.000 regelmäßigen Lernern, die mit unseren Systemen und Programmen lernen dachten wir, es sei ein schöner Anfang, 1 Baum für alle 10 Lerner zu pflanzen!

Über WiRIO
WiRIO fördert das Pflanzen von Bäumen und Umweltmanagement. WiRIO unterhält zudem Schulen, die Grundbildungskurse für arbeitslose Frauen und Männern anbietet und sich um Waisen kümmert, von denen viele im Gefolge der Unruhen nach den Wahlen im Januar ihre Eltern verloren. WiRIO arbeitet hauptsächlich in der Region von Gusii in den Bezirken rund um Kisii.

Über Trees for the Future
Seit 1989 hilft Trees for the Future Gemeinden weltweit dabei, Bäume zu pflanzen.
Through seed distribution, agroforestry training, and their country programs, Trees for the Future has empowered rural groups to restore tree cover to their lands. Planting trees protects the environment and helps to preserve traditional livelihoods and cultures for generations.

Weitere Informationen über Trees for the Future: www.treesftf.org.
derzeit laufende Projekte können mit Google Earth lokalisiert werden: www.treesftf.org/projects.htm
Fotos der Arbeit von Trees for the Future können besichtigt werden unter www.flickr.com/photos/plant-trees

Dienstag, 9. Dezember 2008

11. DIE-Forum "Zukunftsthema Grundbildung"

Mehr als 100 Experten, Wissenschaftler und Praktiker disktuierten beim 11. DIE-Forum in Bonn das "Zukunftsthema Grundbildung", bei dem auch Avallain ausstellte. In Deutschland läuft derzeit das breit angelegte Forschungsförderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, welches auch das von Avallain entwickelte Internet-Lernportal ich-will-lernen.de finanziert. Daher war das Interesse an der Konferenz und dem Austausch groß. Insbesondere die Möglichkeit, sich über Forschungsvorhaben und Erkenntnisse in anderen Ländern informieren zu können, dürfte viele Teilnehmer angelockt haben.

So stellte Dr. John Vorhaus, Forschungsdirektor beim britischen National Research and Development Centre for Adult Literacy and Numeracy (NRDC) in einem Querschnitt die letzten wichtigsten Studien und Ergebnisse vor.

Dr. Ralf St. Clair von der Universität Glasgow berichtete im Workshop über "Alphabetisierung in sozialen Kontexten". John Stewart von der irischen Alphabetisierungsagentur NALA präsentierte die neuesten Aktivitäten im Bereich „distance learning“, wie z.B. die neue TV-Serie "Written Off?" und das von Avallain entwickelte Internetlernportal "www.writeon.ie".

In einer mit großem Interesse verfolgten Podiumsdiskussion erörterten William Thorn von der OECD, Dr. Peter Lavender, Direktor für Forschung, Entwicklung und Information bei der Erwachsenenbildungsorganisation NIACE, Dr. Ursula Howard ehemalige NRDC-Direktorin in Vertretung der EU-Kommission, Dr. Jutta Schubert vom BMBF und der wissenschaftliche Direktor des DIE, Prof. Dr. Dr. h. c. Ekkehard Nuissl von Rein, Problemlagen der Grundbildung im Spannungsfeld wissenschaftlicher Forschung, praktischer Bedürfnisse und politischer Strukturmaßnahmen.


Diskutierten ausführlich beim 11. DIE-Forum Weiterbildung: (v.l.n.r.): William Thorn (OECD), Dr. Peter Lavender (NIACE), Dr. Jutta Schubert (BMBF), Dr. Ursula Howard (für die EU Kommission), Prof. Dr. Dr. h. c. Ekkehard Nuissl von Rein (DIE, Moderation)

Wir stellen also (wieder einmal) fest: So hilfreich Skype, Mail, Blogs und Community-Plattformen sind - ohne Treffen im "first life" geht es nicht, bzw. nicht ganz so gut.

Weitere Informationen: Pressemitteilung des DIE zur Tagung

Donnerstag, 27. November 2008

Avallain beim 11t.DIE-Forum Weiterbildung

Am 1. und 2. Dezember nimmt Avallain am 11. DIE-Forum Weiterbildung in Bonn teil. In diesem Jahr dreht sich alles um das "Zukunftsthema Grundbildung". Es werden Beiträge von deutschen aber v.a. auch von internationalen Organisationen aus Großbritannien, Irland, Kanada, oder Rumänien erwartet, darunter NRDC, NIACE, NALA, Statistics Canada, der Europäischen Kommission, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, OECD, dem UNESCO Insitut für Lebenslanges Lernen, University of Glasgow u.v.a.

Weitere Informationen auf den Internetseiten des Deutschen Instituts für Erwachsenenvilgun (DIE)...

(Foto: mzacha)

Mittwoch, 5. November 2008

Avallain unterstützt UNESCO Konferenz

Vom 25. - 28. November findet die 48. International Conference on Education der UNESCO in Genf statt. Die Konferenz ist ein bedeutendes Forum für den internationalen Dialog über Bildungspolitik an dem Bildungsminister, Wissenschaftler, Praktiker, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen u.a. teilnehmen.

Die Konferenz wird vom "International Bureau of Education"(IBE) organisiert. Hauptaufgabe dieses UNESCO-Instituts ist die Unterstützung der UNESCO Mitgliedsstaaten in ihren Bemühungen um eine verbesserte "Bildung für Alle". Avallain unterstützt die Konferenz als Sponsor.

Weitere Informationen auf der Internetseite der UNESCO.

Montag, 11. August 2008

VHS Wissen im Fernsehen

Wer waren die letzten 4 Bürgermeister in Bochum? Was ist "Bagasse"? Wer hat das Dynamit ge/erfunden? Wer die Antworten auf diese Fragen kennt, sollte bei dem Online-Quiz "Bochum wills wissen" mitmachen, dass von der Volkshochschule Bochum und der Lokalzeitung ausgerichtet wird. Bis Sonntag, 24. August sind die Bochumer und alle Interessierten eingeladen, bei www.vhs-wissen.de/bochum knifflige Fragen zu beantworten.
Sehen Sie den Bericht in der WDR Lokalzeit.

Das Online-Quiz ist eine lokale Ausgabe des Online-Quiz-Tools "www.vhs-wissen.de" entwickelt von Avallain im Auftrag der VHS Böblingen Sindelfingen, die diese Online-Umgebung allen VHS in Deutschland zur lokal angepassten Nutzung anbietet. Diese können mit der einfach zu nutzenden Infrastruktur eine lokale Version des Online-Quiz anbieten und haben somit ein zusätzliches Instrument für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing zur Verfügung, ohne dies selber programmieren oder hosten zu müssen.

Das Online-Quiz ist nur ein Beispiel eines Tools, mit dem eine VHS mit vergleichsweise geringem Aufwand Aufmerksamkeit für die Themen Lernen und Wissen generieren kann. Zudem stärken gemeinschaftlich genutzte Angebote und Marketing-Initiativen die Community der insgesamt unabhängig agierenden VHS.

Weitere, von der VHS Böblingen Sindelfingen in Zusammenarbeit mit Avallain speziell für Volkshochschulen entwickelte Anwendungen und Tools sind das Project Management Tool www.vhs-intern.de und www.vhs-kinderuni.de, eine Online-Umgebung zur Begleitung von Kinderuniversitäten.

Übrigens: Bagasse ist die Bezeichnung für faserige Überreste bei der industriellen Zuckerproduktion!

Freitag, 13. Juni 2008

Avallain bei der "Key Competencies" Konferenz

Vom 19.-20. Juni nimmt Avallain an der "Key Competencies. Skills for Life" Konferenz am City College, London teil, die von Eifel und dem National Institute for Adult Continuing Education (NIACE) ausgerichtet wird.

Die Konferenz beschäftigt sich mit dem Thema der "Schlüsselkompetenzen". In einer zunehmend vernetzten, globalisierten, interkulturellen, dynamischen Welt ist mit der - gerade durch das Internet beförderten - rapiden Wissensgenerierung jeder Einzelne mit der Aufgabe konfrontiert, permanent Informationen erschließen und verarbeiten zu müssen, vorhandenes Wissen und Kompetenzen zu evaluieren (Genügt das, was ich kann noch, um in meinem Umfeld zu bestehen?) und neues Wissen zu generieren, neue Fähigkeiten zu erwerben.

In diesem Prozess sind abstrakte Kompetenzen (Probleme analysieren können, Aufgaben erkennen und strukturieren, Lösungsprozesse initiieren, moderieren und gestalten können, sich in kulturell heterogenen Gruppen und Kontexten bewegen können, usw.), Einstellungen und Haltungen gefragt.

Entsprechend werden Bildungsprozesse heute von der frühkindlichen Bildung, über Schule und Ausbildung bis zur (beruflichen) Weiterbildung in Hinblick auf das Ziel hin analysiert und organisiert (jedenfalls ist das das Bemühen), die oben beschriebenen Fähigkeiten und Dispositionen herzustellen: Weg vom "Pauken" und Auswendiglernen, hin zum selbständigen Lernen.

IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) spielen in diesem Zusammenhang auf vielen Ebenen eine entscheidende Rolle: Computer und Internet sind die zentralen Instrumente in einer sich zunehmend digital organisierenden und virtuell vermittelten Welt, um Informationen und Welt zu erschließen, strukturieren und verarbeiten.

"Media Literacy", Medienkompetenz (verstanden nicht nur als Anwendungskompetenz, sondern auch als mediale Urteilsfähigkeit!) sind daher entscheidende Fähigkeiten, damit Individuen in diesem Prozess nicht "untergehen", sondern ihre Fähigkeiten erweitern und an den neuen Chancen teilhaben können.

Darüber hinaus können IKT mit ihren spezifischen Möglichkeiten als Lernumgebungen dienen, insbesondere im Grundbildungsbereich. Studien und Erfahrungen (wie mit dem deutschen Lernportal ich-will-lernen.de) zeigen, dass der Einsatz von Computer und Internet einen positiven Effekt auf Lernmotivation und -ausdauer haben. Gerade bei erwachsenen Lernerinnen und Lernern aus dem Grundbildungsbereich, die häufig negative Schul- und Ausbildungserfahrungen haben, bieten die positiv besetzten Medien die Möglichkeit für einen Neueinstieg in das Lernen.

Die Möglichkeit, Lernen anders zu organisieren, eröffnet neue Zugänge (und zwar nicht nur für Lernerinnen und Lerner - auch für Kurs- und Ausbildungsleiterinnen und -leiter, Lehrerinnen und Lehrer u.a. Pädagoginnen und Pädagogen öffnet der Einsatz von Computer und Internet die Chance zu neuen Lehr-/Lernerfahrungen und Kompetenzerweiterungen.).
Gerade die Werkzeuge, die eine stärkere produktive Einbindung der Nutzerinnen und Nutzer erlaubt (Web 2.0) und es ihnen z.B. ermöglicht ein Online-Tagebuch in individualisierten Profilen zu führen, Inhalte zu erzeugen und online zu stellen, gibt eine Vorstellung von dem breiten pädagogischen Potential, das noch erschlossen werden kann.

Avallain präsentiert im Rahmen der begleitenden Messe und diskutiert im Programm die Herausforderungen, die mit der Produktion von "e-learning für die Grundbildung" verbunden sind (höchsten Qualitätsansprüchen und Anforderungen entsprechen, obwohl man oft nur geringe Budgets und wenig Zeit hat).
Wir präsentieren das "Avallain Basic Skills System", welches die im Laufe der vergangenen Jahre entwickelte Produktionsmethode und Softwarelösungen aus vergangenen Projekten umfasst, und speziell bei verschiedenen Projekten zur Grundbildung erfolgreich zum Einsatz kam und kommt.

Weitere Informationen über die Konferenz unter events.eife-l.org/kc2008/overview
Das Programm findet sich hier...

Dienstag, 1. April 2008

vhs-intern.de – Ein "Intranet" für Bildungseinrichtungen

Bildungseinrichtungen haben in der Regel lediglich 5 Prozent ihrer Mitarbeiter fest angestellt. Der weitaus größere Teil der Mitarbeiter sind Freelancer. In Deutschland arbeiten beispielsweise 200.000 Dozenten in Volkshochschulen, während die VHS lediglich 9.000 feste Mitarbeiter haben.

Für die tägliche Zusammenarbeit dieser Gruppen entsteht ein großer Kommunikations- und Abstimmungsbedarf. Aus diesem Grunde hat die vhs.Böblingen-Sindelfingen zusammen mit der Avallain AG ein maßgeschneidertes "Intranet" entwickelt: vhs-intern.
Der Zugang über das Internet ermöglicht es, interne und externe Partner zu vernetzen und die Kommunikation effizienter zu gestalten.

Die grafische Benutzeroberfläche spiegelt einen Büroraum, in dem alle notwendigen Tools zugänglich sind. Ein Blackboard informiert über aktuelle interne Nachrichten, ein Newsticker blendet Pressemeldungen gemäß gewählter Schlüsselbegriffe von Google-News ein. Die täglichen Arbeitsabläufe können prozessual abgebildet und transparent gemacht werden. Untergeordnete Projekte mit internen und externen Partner können angelegt und bearbeitet werden. Über eine raffinierte Rechtevergabe können auch externe Partner ihre Projekte bearbeiten.

Darüber hinaus gibt vhs-intern die Möglichkeit, per Chat mit anderen Partnern schnell zu kommunizieren oder Termine zu vereinbaren. Ein Reminder erlaubt, verschiedene Gruppen über Änderungen und Termine auf dem Laufenden zu halten. vhs-intern kann als Intranet direkt bei der vhs.Böblingen-Sindelfingen monatsweise gemietet werden.

Kontakt: christian.fiebig@vhs-aktuell.de

Mittwoch, 19. März 2008

Wissen für Entwicklung

Podiumsdiskussion der Stiftung Biovision und des Liechtensteiner Entwicklungsdienstes. Landwirtschaftliches Wissen für Entwicklung und Einkommensverbesserung.

Am Rednerpult angekommen, lockerte er erstmal seine Krawatte, als müsse er sich zunächst Platz zum Atmen verschaffen. Denn Peter Baumgartner brauchte viel Luft, um von Afrika zu berichten, so sehr bewegt ihn der "Kontinent der Zukunft", wie er seinen Zuhörern versicherte.

Gebannt lauschten die ca. 120 Zuhörerinnen und Zuhörer den Worten des erfahrenen Afrika-Experten, der auf Einladung der Schweizer Stiftung Biovision und des Liechtensteiner Entwicklungsdienstes (LED), über die Situation der Kleinbauern in Kenia berichtete.

"Biologische Landwirtschaft – eine Vision für Afrika?" lautete die Fragestellung, die nach der Einführung Peter Baumgartners ausgewiesene Experten bei einer Podiumsdiskussion im Liechtensteinischen Schaan diskutierten.

Diskutierten in Schaan (v.l.n.r.) Peter Baumgartner (Herausgeber „The Organic Farmer“), Prof. Dr. Christian Borgemeister (Leiter des "Institute for Insect Physiology and Ecology (ICIPE)" in Nairobi, Kenia), Hans Rudolf Herren (Präsident der Stiftung Biovision), Klaus Büchel (Geschäftsführer des Verbands Bäuerlicher Organisationen in Liechtenstein), Dr. phil. Rudolf Batliner, (Leiter der Stiftung Liechtensteinischer Entwicklungsdienst)

"Ich bin vorbelastet - ich liebe Afrika, es ist für mich der beste Kontinent", gestand der 65jährige, um zugleich zu versichern, dass er gerade deshalb nicht mit Kritik spare. Mehr als zehn Jahre hatte Baumgartner als Auslandskorrespondent für den Schweizer Tagesspiegel aus Afrika berichtet, 2006 war er mit dem Züricher Journalistenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Seit seiner Pensionierung 2004 widmet sich Baumgartner mit der Herausgabe einer Zeitschrift für ökologische Landwirtschaft der Förderung der Kleinbauern in Kenia.

Mit seinen anschaulichen Schilderungen über den komplexen Wirkungszusammenhang vieler Faktoren wie Land (Besitz), Boden, Infrastruktur, Armut, Mangel an landwirtschaftlicher Bildung, u.v.m. erschloss Baumgartner dem Publikum die schwierige Situation der Kleinbauern in Ostafrika.

Wie wird ein Ziegenstall gebaut?

Viele Kenianer seien nicht freiwillig Bauern, sondern v.a. deshalb in der Landwirtschaft, weil es zu wenig Arbeitsplätze im sekundären oder tertiären Sektor gebe. Landwirtschaft werde in Kenia nur zur Selbstversorgung betrieben. Dies habe wiederum eine allgemein niedrige Kaufkraft zur Folge, da nicht genügend landwirtschaftliche Güter produziert würden, die die Farmer verkaufen könnten, um andere Güter nachzufragen oder in die Verbesserung der Produktion zu investieren. Auch verfügten viele Farmer nicht über das nötige Wissen, um ihren Hof angemessen zu bewirtschaften.

Ein Problem, dem Baumgartner mit der Herausgabe der Zeitung "The Organic Farmer" entgegen zu wirken versucht. Monatlich werden 16'000 gedruckte Exemplare an interessierte Bauerngruppen in Kenia kostenlos verteilt. Auf diese Weise erhalten 100 ‘000 Bäuerinnen und Bauern konkrete Anleitungen und praktische Tipps, wie sie ihre Erträge nachhaltig mit einfachen, umweltfreundlichen Mitteln sichern und steigern können. Wie sollte ein Ziegenstall gebaut sein? Auf welche Weise kann Kuhmist zu Dünger aufbereitet werden? Auf all solche Fragen gibt das von der Schweizer Stiftung Biovision finanzierte Magazin Antwort.

Um sicher zu gehen, welche Methoden der Viehzucht, Schädlingsbekämpfung, Ernteverfahren, neues Saatgut u.v.m. funktionieren, betreibt Peter Baumgartner mit Unterstützung afrikanischer Helfer einen Modellhof. Hier wird alles zunächst ausprobiert, bevor im "Organic Farmer" darüber berichtet wird. "Vieles klappt, manchmal geht es in die Hose, aber so wissen wir, was funktioniert und was nicht.", erklärt Baumgartner.

Mit Computer und Internet für mehr Bildung

Das bei den Kleinbauern sehr beliebte Magazin wird auch über die Internetplattform INFONET-Biovision.org verbreitet, die von Hans Rudolf Herren, Präsident der Stiftung Biovision als ein Beispiel innovativer Entwicklungsarbeit vorgestellt wurde. Die von Avallain technisch entwickelte internetbasierte Datenbank bietet umfangreich bebildertes Material rund um umweltfreundliche Schädlingsbekämpfung, Wasseraufbereitung, Bodenbewirtschaftung, Tiergesundheit u.v.m.

Die Wissensplattform INFONET-Biovision.org kann auch offline z.B.
über das sogen. 100-Dollar-Laptop
verfügbar gemacht werden,
welches Dr. Hans Rudolf Herren, Präsident der Stiftung Biovision präsentierte.


Ein absoluter Anziehungspunkt: Nach der Veranstaltung nutzten viele Besucher die Gelegenheit, INFONET-Biovision.org auf dem 100-Dollar-Laptop auszuprobieren.

Im weiteren Verlauf des Abends diskutierten neben Peter Baumgartner auch Dr. Hans Rudolf Herren (Gründer und Stiftungsratspräsident der Stiftung Biovision), Prof. Dr. Christian Borgemeister (Leiter des "Institute for Insect Physiology and Ecology (ICIPE)" in Nairobi, Kenia), sowie Klaus Büchel (Geschäftsführer des Verbands Bäuerlicher Organisationen in Liechtenstein) unter der Leitung von Dr. phil. Rudolf Batliner, (Leiter der Stiftung Liechtensteinischer Entwicklungsdienst) die Frage, ob der Biolandbau eine reelle Vision für Afrika sein und die Ernährungssicherheit für die Bevölkerung garantieren könne. Eine Frage, die alle Diskutanten klar bejahten.

Zahlreiche Studien belegten, dass die Welternährung mit ökologischer Landwirtschaft gesichert werden könne, so Biovision-Präsident Herren. Viele Projekte der Biovision zeigten, dass sich mit vergleichsweise geringen Maßnahmen und Investitionen nachhaltige Ergebnisse zur Verbesserung der Produktivität der Landwirtschaft, der Stabilisierung der Märkte und Steigerung der Einkommen erzielt werden könnten.

Es lohnt sich, Optimist zu sein

So blieb am Ende des Abends ein Eindruck von Zuversicht und Aufbruch. Es sei sehr leicht, in Bezug auf Afrika pessimistisch zu sein, erklärte Peter Baumgartner. Er selber könne tausende Beispiele nennen, die die schwierigen Perspektiven Afrikas belegten – aber Optimist zu sein, verlange besondere Anstrengungen, die zu unternehmen sich sehr lohnten.

So erfahre er den Umstand als beglückend, in Kenia immer der Älteste zu sein, wohin er auch gehe. Sicher seien Ernährung und Bildung eine schwierig zu lösende Aufgabe – aber grundsätzlich sehe er die Kinder als einen Reichtum und das große Versprechen für eine positive Entwicklung in der Zukunft


Das 100-Dollar-Laptop fest im Griff: (v.r.n.l.) Ursula Suter (Geschäftsführerin Avallain AG), Prof. Dr. Christian Borgemeister (Direktor ICIPE), Dr. Hans Rudolf Herren (Stiftungsratspräsident Biovision), Andreas Schriber (GeschäftsführerBiovision

Weitere Informationen:
  • Biovision Stiftung für Umwelt und Entwicklung: www.biovision.ch
  • Liechtensteiner Entwicklungsdienst: www.led.li
  • Die von Biovision und Avallain entwickelte Internetplattform zu Agrarinformationen: www.infonet-biovision.org
  • Das von Biovision finanzierte, von Peter Baumgartner herausgebene Magazin The Organic Farmer bietet Kenianischen Kleinbauern praktische Tipps und Hinweise zum ökologischen, nachhaltigen Landbau
  • Das 100-Dollar-Laptop wird im Rahmen der Non-Profit-Initiative "One Laptop Per Child" entwickelt und soll an Kinder in Entwicklungsländern verteilt werden: www.laptop.org
  • Die "Schweizer Schule" im Slum - Bericht über die von Peter Baumgartner in Nairobi gegründete Schule
(Fotos: Peter Lüthi, Monique Hunzicker, Biovision)

Dienstag, 4. März 2008

Avallain bei der NRDC International Conference

Im Rahmen der NRDC International Conference in Nottingham, Großbritannien, präsentiert Avallain Uganda-MarketInfonet. Das gemeinsam mit dem ugandischen Busoga Farmer Network (BUFANET) entwickelte Projekt führt die Bereiche Grundbildung und Einkommensverbesserung für Farmer in Entwicklungsländern zusammen:

Das internetbasierte Knowledge-Management- und Markt-Informations-System wird Farmer und Fischer mit Information zu landwirtschaftlichen Methoden wie auch zu Aspekten des Marketings und der Weiterverarbeitung (durch Information über Preise, Techniken der Produktverarbeitung, Aufbereitung, Aufbewahrung u.a.) unterstützen.

Zusätzliche Lernmodule zum Lesen, Schreiben und Rechnen werden unter unmittelbaren Bezug auf den Verwendungszusammenhang im Alltag angeboten: Berechnung von Dünger-Portionen, Preise vergleichen, eine Bestellung schreiben, Gebrauchsanweisung lesen, etc. Diese werden neben Englisch auch lokale Sprachen einbeziehen.

Farmer, die keinen unmittelbaren Zugang zu Computer und Internet haben, werden über Mobiltelefone Informationen in das System eingeben oder beziehen können.

NRDC International Conference
Die sechste internationale Konferenz des National Research and Development Centre for Adult Literacy and Numeracy (NRDC) bringt Akteure aus Praxis, Forschung und Politik zusammen, um sich in Workshops und Vorträgen über aktuelle Trends und Herausforderungen der Grundbildung zu informieren, neue Kontakte zu knüpfen und Kooperationen zu entwickeln. Das diesjährige Schwerpunktthema der Konferenz ist „Soziale Teilhabe, Förderung von Lernausdauer und –fortschritt“.
Weitere Informationen...

Über das NRDC
Das National Research and Development Centre for Adult Literacy and Numeracy (NRDC) wurde 2002 vom britischen Bildungsministerium im Rahmen der nationalen Grundbildungsprogramms “Skills for Life” gegründet.
Aufgabe des NRDC ist es die Unterrichtspraxis zu stärken und die Politik zu beraten. Zu diesem Zweck führt das NRDC Forschungsprojekte zu unterschiedlichsten Bereichen, wie z.B. der Bedeutung des Einsatzes von Computer & Internet im Unterricht u.a. Themen durch.
Weitere Informationen…

Donnerstag, 31. Januar 2008

Jeder Dritte surft mit Firefox

Neuesten Zahlen zufolge surft jede/r Vierte in der Schweiz (25,5%) mit dem Open Source Browser Firefox. Damit landen die Eidgenossen auf Rang 17 im europäischen Vergleich. Im im Vergleich zum Vorjahr hat der rote Fuchs damit lediglich um 0,6% zugelegt. In Deutschland ist hingegen jeder Dritte (34,2%) mit Firefox unterwegs.

Der Internet Explorer aus Redmond kommt in Europa auf 66,9 Prozent. Hinter Mozilla liegen Opera (3,3 Prozent) und Steve's Safari (2 Prozent).

Die meisten Firefox-Fans sitzen in Finnland (45,4 Prozent), gefolgt von Slowenien (44,6 Prozent), Polen (42,4 Prozent), der Slowakei (41,2 Prozent) und Ungarn (40,3).

Bemerkenswert erscheint, dass innovative Länder wie Großbritannien (17,2%) auf den hintersten Rängen landen und die Niederlande das einsame Schlusslicht (14,7%) bilden

(Quelle: Heise)

Montag, 28. Januar 2008

Abitur bei McDonald's

Die britische Regierung hat drei Privatunternehmen das Recht erteilt, Abschlüsse zu verleihen, darunter neben McDonald's auch die Fluggesellschaft Flybe sowie Network Rail, einem Unternehmen, das die Gleisanlagen der Eisenbahnen wartet.

Ab kommenden Herbst dürfen die Unternehmen Mitarbeiter von der mittleren Reife bis zur Promotion führen und entsprechende Zertifikate verteilen, die staatlich anerkannt sind.

Die Fastfood-Kette McDonalds's bietet in seinen Kursen in Großbritannien einen Management-Basiskurs an. Darin bekommen Auszubildende die Grundlagen des Marketing, Personalentwicklung und Kundenservice vermittelt. Bei Network Rail sind es Kurse für Schienen-Instandhaltung, die anerkannt werden, während es bei Flybe Kurse für Flugzeugingenieure und Kabinenpersonaltraining sind.

Die Zertifikate des Billigfliegers sollen sogar als ein Universitärsabschluss anerkannt werden. Die Abschlüsse von McDonald's und Network Rail haben dagegen das Niveau des Abiturs, das in Großbritannien 18-Jährige absolvieren, oder des britischen Schulabschlusses GSCE, der normalerweise mit 16 Jahren gemacht wird.

Bildungsabschlüsse bei McDonald's? So eine Steilvorlage lassen sich deutsche Journalisten natürlich nicht entgehen:

Dr. Cheeseburger
in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung
McAbitur beim Burgerbrater in der Online-Ausgabe des Tagesspiegel
"Einen Bicmac und ein Abi bitte" bei Spiegel Online
"Einmal Abi mit Pommes bitte" in der Online-Ausgabe der Zeit
"Ein Happy Meal und ein MacAbi!" bei n-tv
Bei McDonald's zum Fritten-Abi in der Online-Ausgabe des Stern McAbi? Wieso nicht? in der Online-Ausgabe der taz
"Ein Burger mit Cola und Abi, bitte!'' beim SWR
Zwei Cola und ein McAbitur bitte! bei der Kölnischen Rundschau
Einmal McAbi mit viel PISA, bitte beim Hamburger Abendblatt

(Auf Österreichisch geht die Meldung übrigens so: "McMatura" und auf Schwyzerdütsch: McMatur)

Investing in people

So weit, so originell. Dabei ist bei den Artikeln ein deutlich spöttisch-gönnerhafter Ton nicht zu übermerken. Die taz fragt mit Blick auf die deutschen Verhältnisse kritisch: "Die Industrie tut das, was ihr Job ist, was sie immer schon gut konnte: Sie findet Marktlücken und macht sie, jawoll, zu Geld. Die Frage, ob das legitim oder der Untergang des Abendlandes wäre, ist falsch gestellt. Sie muss zunächst lauten: Gibt es eine Marktlücke? Wer hat sie geöffnet, wer hat seinen Job nicht getan?"

"Ja ... aber McDonald's?" wird mancher fragen, immerhin wird die Firma mit dem goldenen "M" oft mit geringer Qualität (SPAR-Menü, SOFT Drinks), arbeitnehmerunfreundlichen Praktiken, und Umweltzerstörung- oder -verschmutzung assoziiert.

Dabei ist dies nicht die ganze Wahrheit. In Großbritannien ist McDonald's Teil einer nationalen Qualifizierungsinitiative. "Employers! Employers! Employers!" - bekräftigt die Direktorin des britischen National Research and Development Centres (NRDC), Ursula Howard bei der LitCam die Bedeutung der Arbeitgeber bei den Bemühungen, die erwachsene Bevölkerung zu qualifizieren und auch und gerade im Grundbildungsbereich, also bei den grundlegenden Fertigkeiten des Lesens und Schreibens, Erfolge zu erzielen.

Viele Erwachsene können v.a. und hauptsächlich am Arbeitsplatz und über den Arbeitsplatz für Bildungsangebote erreicht und motiviert werden. Auch McDonald's setzt in Großbritannien auf Bildungsangebote für die eigene Belegschaft.

E-Learning für die Grundbildung

In seinem Artikel Take away the stigma im Fachmagazin "Reflect" des National Research and Development Centres (NRDC) berichtet David Fairhurst ("Senior Vice President" und "Chief People Officer" für McDonald's Northern Europe) von den Grundbildungsangeboten der Restaurantkette für ihre Angestellten. "Die Investition in Grundbildung ist nicht nur eine Investition in unsere Angestellten, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Firma.", so Fairhurst.

Dabei setzt McDonald's auch auf E-Learning. "Our Lounge" heißt die Online-Community für McDonald's-Angestellte, die, "inspiriert vom Erfolg von MySpace und FaceBook", Informationen und Nachrichten rund um Musik oder Filme bietet. Darüber hinaus finden sich hier aber auch Informationen zu verschiedensten Themen wie dem Führerscheinerwerb, Kinderfürsorge, Grundstückserwerb, wie auch Online-Lernprogramme zur Verbesserung der Grundbildung . Hier können die Angestellten auch mit Unterstützung von Online-Tutoren Lesen, Schreiben und Rechnen üben.

In Deutschland kooperiert McDonald's mit den Volkshochschulen und bezuschusst VHS-Kurse mit bis zu 100 Euro. Alphabetisierung, Deutsch als Zweitsprache bis Englisch und PC- Training gehören zu den unterstützungsfähigen Bildungsangeboten. Aber auch Gesundheitsvorsorge und politische Bildung gehören zum "Crew College" genannten Programm.

Berichterstattung in britischen Medien
McDonald's serves up 'Diplomas' bei der BBC
McDonald's A-level in running a burger bar in der Online-Ausgabe der Times
Brown defends McDonald's "takeaway diplomas" in der Online-Ausgabe der Times
McDonald's A-level 'tough course', says Brown in der Online-Ausgabe des Guardian
PM backs apprenticeships to boost UK in 'global skills race' in der Online-Ausgabe des Guardian
McDonald's to award national qualifications in der Online-Ausgabe der Financial Times

Sonntag, 27. Januar 2008

Sorge um Kenia

Wie viele andere Menschen, die Kenia besonders verbunden sind, beobachten wir bei Avallain mit großer Sorge und Anteilnahme die Entwicklungen in dem ostafrikanischen Staat, der vielen bislang als Musterbeispiel für ein anderes, politisch stabiles, wirtschaftlich erstarkendes, demokratisches Afrika galt.

Seit dem umstrittenen Ausgang der Präsidentschaftswahlen vom 27. Dezember, versinkt das Land zunehmend in gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen vorwiegend der Ethnie der Kikuyu angehörenden
Anhängern des Präsidenten Mwai Kibaki und den vorwiegend zu den Luo zählenden Anhängern von Oppositionsführer Raile Odinga.

Verschiedenen Meldungen zufolge ist es am Wochenende wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen insbesondere im Riff Valley gekommen, bei denen insgesamt 49 Menschen getötet wurden. Mittlerweile ist der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Anan in Kenia eingetroffen, um zwischen den Kontrahenten zu vermitteln.

2006 begann Avallain mit der Schweizer Stiftung Biovision "INFONET-Biovision.org", ein internetbasierte Wissensmanagement-System aufzubauen. Die mit reichlich Bildern und leichtverständlichen Informationen bestückte Datenbank bietet umfassende Informationen zur umweltverträglichen Schädlingsbekämpfung, Wasseraufbereitung, Bodensicherung, etc.
Am 9. Oktober vergangenen Jahres war INFONET-Biovision.org im Rahmen einer festlichen Veranstaltung im Beisein von Liechtensteins Regierungschefs Ottmar Hasler gestartet. Der Liechtensteiner Entwicklungsdienst (LED) ist der wichtigste Fördermittelgeber von INFONET-Biovision.org.

Wie Hans R. Herren, Präsident von Biovision berichtet, sind den derzeitigen Informationen zufolge "die von BioVision in Kenia unterstützten Projekte nicht direkt von Gewaltausbrüchen und Verwüstung betroffen - und glücklicherweise sind auch keine Mitarbeitenden in BioVision-Projekten verletzt oder getötet worden. Doch die Situation ist weiterhin an manchen Orten instabil und die Entwicklung nicht vorhersehbar."

Die Projekte von BioVision in Kenia laufen weiter und sind weitgehend von den Unruhen nicht betroffen, da sie in "ethnisch mehr oder weniger geschlossenen" Regionen durchgeführt würden. Jedoch sei das Magazin "The Organic Farmer", das auch über die Plattform INFONET-Biovision.org angeboten wird, betroffen.

Der Organic Farmer hat durch die Kämpfe mit logistischen Problemen zu kämpfen.
In den Unruheprovinzen, in denen 1'500 der 16'000 Exemplare abgesetzt werden, funktioniert die Post nicht mehr richtig.

"Die Arbeit in Kenia geht weiter"
Nähere Informationen bietet der Situationsbericht von Peter Baumgartner, profunder Afrikakenner, kritischer Journalist und BioVision-Projektleiter.

Der Titel des Berichts, "Die Arbeit in Kenia geht weiter", gibt die Richtung vor: Wie so oft bei solchen Konflikten leiden v.a. "die kleinen Leute", Kleinbauern, Handwerker und Frauen unter den verheerenden Folgen, unabhängig welcher Ethnie sie nun angehören.

Sie nicht im Stich zu lassen und sie weiterhin in ihrem Bestreben nach einem besseren Einkommen zu unterstützen muss weiterhin das Handeln leiten.

Weitere Informationen: www.biovision.ch

Berichte in der Presse:
Die Kämpfe im Westen Kenyas dehnen sich aus in der Online-Ausgabe der NZZ
Dossiers "Machtkampf in Kenya" in der Online-Ausgabe der NZZ
Police face riots in west Kenya bei der BBC, wo sich auch Hintergrundberichte über die ethnischen Konflikte und "Kenias Mafia" finden
Ethnic hatred fuels more Kenya violence bei CNN
"Die einen töten mit Macheten, die anderen mit Pfeilen" bei Spiegel-Online
Als die Nachbarn zu Mördern wurden in der Online-Ausgabe der FAZ
Im Park der Flüchtlinge in der Online-Ausgabe der Zeit
"Pfeil und Bogen, großen Panga-Messern und Handys – die Standard-Ausrüstung in diesem kenianischen Nachwahl-Krieg." ein Augenzeugenbericht im Zeit Blog
Hoffnung geht in Flammen auf in der Online-Ausgabe der taz

Corporate Social Responsibilty

Die Geschichte des Unternehmertums, "der Wirtschaft" oder noch grundlegender: des Kapitals ist eine Geschichte der Macht, die - je nachdem wer gerade die Feder führt - von der Entfaltung einer naturgeschichtlichen Notwendigkeit zum besten Wohle aller oder von der Unterdrückung des Menschen und gewaltsamen Eingriffen in die Natur erzählt.

Genauso gibt es aber auch die Erzählung vom Unternehmer als Philanthropen, Mäzen und Schöngeist und fürsorglichem Patron, der sich um seine Belegschaft kümmert.

Mittlerweile gehört die Dimension sozial- und umweltverträglichen Handelns zum Kern unternehmerischen Handelns, wenigstens in der Form des Kehrwerts: Wenn ruchbar wird, dass Unternehmen das ökologische oder soziale Gerechtigkeitsempfinden verletzen, müssen sie mit einem Imageschaden rechnen, der sich auch in der Bilanz niederschlagen kann. So musste Shell im Verlauf der Auseinandersetzungen um die angestrebte Versenkung der Ölplattform Brent Spar nachhaltige Einbußen der Zustimmung bei Kunden verbuchen.

Derzeit erlebt Nokia Deutschland, wie unternehmerisches Handeln, dass soziale Verantwortung ausblendet, bzw. in der Kommunikationsplanung nicht einbezieht, das Image ramponieren kann.

"Don't be evil"

Die Leitfrage ob sich ethisch gutes und ökonomisch effizientes Handeln verbinden lassen, unterstellt, dass diese Dimensionen im Widerspruch stünden. Dabei verbindet sich mit Corporate Social Responsibility (CSR) auch ein Mehrwert, der sich in Form von Zustimmung zu einem Unternehmen, einer positiven konnotierten Marke auszahlt.

In Zeiten, in denen ökologische Correctness als "trendy" gilt, Hollywoodstars Umweltschutz propagieren, sozialen Projekten alle Sympathien gelten (und umgekehrt allein auf Gewinn abzielende Unternehmen wie "das dunkle Imperium" erscheinen), kann es sich ein Unternehmen, insbesondere in Zeiten des Internet, das es ermöglicht, Meinungen, Zuschreibungen und Stimmungen über Foren, YouTube und Mail-Ketten epidemisch zu verbreiten, nicht mehr leisten, böse zu sein.

So vermochten es die streikenden Drehbuchautoren in den USA ihre Positionen und Ansprüche über YouTube-Videos, Blogs und Mailings sympathisch zu kommunizieren, denen gegenüber die Fernseh- und Filmstudios wie raffgierige Sklavenhalter erschienen.

Mehr noch: Es reicht nicht mal, nicht-böse zu sein. Vielmehr sehen sich Unternehmen einem kritischem Konsumenten mit steigendem Sozial- und Umweltbewusstsein gegenüber und müssen die Gretchenfrage, wie sie es mit der Umwelt oder dem Gemeinwesen halten, grundsätzlich beantworten. Damit stellt sich die Frage, wie soziale oder ökologische Aspekte systematisch in das unternehmerischen Handeln einbezogen werden können.

Sogar der Economist schildert nun Ursachen des derzeitigen Booms der sogenannten Corporate Social Responsibility, CSR und die Bedeutung des Internet dabei:

"Die Skandale bei Enron, WorlCom und anderswo haben das Vertrauen in die großen Firmen beschädigt und zu schwerfälligen Maßnahmen der Regierungen geführt. Eine stetig wachsende Armee von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) steht bereit, um sich beim geringsten Anzeichen von Fehlverhalten in die Schlacht gegen multinationale Konzerne zu werfen [...] Die Unternehmen stehen unter schärferer Beobachtung denn je zuvor.
Peinliche Nachrichten von irgendwo auf der Welt - etwa ein Kind, das bei der Arbeit an einem Kleidungsstück mit dem Markenlogo zu sehen ist - können von Kameras eingefangen und in Windeseile im Internet verbreitet werden." (Perlentaucher)

Der ganze Artikel "Just good business" im Economist

p.s. Avallain unterstützt den World Wildlife Fund und das OLPC-Projekt und operiert CO2-neutral.

;-)

Bild: ftibor/sxc.hu

Samstag, 26. Januar 2008

100$-Laptop in Nigeria

Die wunderschöne Audio-Slideshow von Jonathan Fildes bei der BBC zeigt die Wirkung die das 100$-Laptop (XO) bei den Kindern der LEA primary school, Galadima, außerhalb von Abuja, Nigeria hat:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/in_depth/629/629/7113548.stm

Freitag, 25. Januar 2008

Mehr Open Source Software in Bildungseinrichtungen

Es gibt Fragen, da gibt es nur entweder/oder, 1 oder 0: Kaffee oder Tee, Star Wars oder Star Trek, Waltons oder Simpsons, Robbie Williams oder Justin Timberlake, odere eben: proprietär oder Open Source.

Lange Zeit galt Open Source als eine "Lösung für BFN" (Bastler, Frickler, Nerds). Wer einen Computer nutzte und im Internet unterwegs war, setzt zumeist auf Standardlösungen von Bill und Steve. Jedoch - Open Source ist in unterschiedlichen Gestalten und auf unterschiedlichen Gebieten auf dem Vormarsch und ist gerade für den Bildungsbereich interessant.

Der Studie "Unlikely Bedfellows - Open Source Initiatives and Commercial Vendors in the Education Market" zufolge, wird der Bildungssektor im Jahr 2012 weltweit etwa 489,9 Millionen US-Dollar in Open-Source-Software und Service und Support investieren.

Zu diesem Schluss kommen die Marktforscher von Datamonitor durch Umfragen unter Herstellern und Verantwortlichen in Schulen aus 14 Ländern - darunter die USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Indien, die Niederlande, Spanien und Italien. Heute lägen die Ausgaben hierfür bei 286,2 Millionen US-Dollar.

Der Umfrage zufolge gehen die Bildungseinrichtungen davon aus, dass sie über Open-Source-Software eine höhere Kontrolle haben als über proprietäre Produkte. So könnten sie selbst Änderungen an den eingesetzten Lösungen durchführen.

Vor allem der Lock-In-Effekt proprietärer Produkte sei ein Problem, da die Institutionen den Eindruck hätten, ihnen würden Updates aufgezwängt, wenn sie keines brauchen, heißt es in der Studie weiter. Viele der Befragten sind außerdem der Meinung, dass die proprietären Produkte sie daran hindern, ihre Informationen und Methoden mit anderen zu teilen - mit Open-Source-Software hingegen ließen sich bessere Verfahren implementieren, um Lehrmaterialien beispielsweise online verfügbar zu machen.

Die Organisation One Laptop Per Child (OLPC) könne ebenfalls Auswirkungen auf den Bildungssektor haben. Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte es andere Hersteller dazu bringen, günstige Produkte für Entwicklungsländer anzubieten. Zum anderen könnten auch andere Länder das Gerät nutzen, wie es bereits in Alabama geplant ist.

(Quelle: Golem/Heise / Bild: helix7)

Zum Thema auch die BBC-Dokumentation "The Codebreaker" bei Google-Video oder - in Teilen aber dafür besserer Qualität - bei YouTube.

Dienstag, 15. Januar 2008

Intel verlässt 100$-Laptop

Der Chiphersteller Intel steigt aus dem "One Laptop Per Child" (OLPC)-Projekt von Nicholas Negroponte aus, in dessen Rahmen das als 100-Dollar-Laptop bekannt gewordene Notebook für Kinder in Entwicklungsländern entsteht.

Negroponte habe von Intel verlangt, sein Konkurrenzmodell "Classmate" aufzugeben, erklärt Intel. Der Boston Globe zitiert Intel-Sprecherin Agnes Kwan, der zufolge das Unternehmen nach Gesprächen mit Negroponte die Entscheidung getroffen habe, aus dem Projekt auszusteigen. Dieser habe Intel aufgefordert, das OLPC-Konkurrenzprodukt Classmate nicht weiter zu verfolgen und zu vertreiben, sondern sich ganz dem OLPC Projekt zu widmen.

"tough decision"

Intel-Sprecher Chuck Mulloy wird von Reuters und AP ähnlich zitiert: "They wanted us to focus our support exclusively on the OLPC system." Dieser Bitte habe man nicht entsprechen können. Dies sei bedauerlich aber unvermeidlich. "It's unfortunate this happened, but at some point, you have to make a tough decision". Intels Ausstieg habe laut Mulloy nicht damit zu tun, dass das 100$-Laptop nicht mit Intel-Chips sondern den des Intel-Konkurrenten AMD laufe.

In einem Interview mit CNN äußert sich Negroponte ausführlich und deutlich zu dem Vorgang. Intel habe kontinuierlich und permanent sämtliche Absprachen verletzt und versucht, aktiv das OLPC Projekt zu schädigen. So hätten Intel-Vertreter versucht, das peruanische Bildungsministerium "zu erschrecken", nachdem das lateinamerikanische Land eine größere Menge XO geordert hatte.

Das Wall Street Journal zitiert Oscar Becerra Tresierra, Generaldirektor für Bildungstechnologie im peruanischen Bildungsministerium, der berichtet, dass Intel-Vertreter unmittelbar nachdem Peru mehr als 250,000 XO geordert hatte, versuchten sie "zu erschrecken", indem sie behaupteten, dass die Computer nicht funktionierten. Intel-Sprecher Mulloy verweigerte eine Stellungnahme.

Ein Mann und seine Vision: Bildung für Alle


2005 stellte der ehemalige Direktor des MIT-Media-Lab Nicholas Negroponte die Idee des Non-Profit-Projekts "One Laptop Per Child" vor, einen kostengünstigen Laptop zu entwickeln, der Kindern in Entwicklungsländern zugänglich gemacht werden solle, um die brachliegenden Bildungsreserven zu mobilisieren. Das Projekt entwickelte zahlreiche Aufsehen erregende Lösungen für die besonderen Aufgabenstellungen: Das Gerät ist besonders Strom sparend, verfügt anstatt über eine Festplatte über einen Flash-Speicher. Das Display kann im direkten Sonnenlicht verwendet werden, u.v.m.

Um Lizenzkosten zu vermeiden, arbeitet das XO genannte Laptop mit offener Software. Nachdem Intel und Microsoft sich anfänglich über das Projekt und sein "100-Dollar Gadget" lustig gemacht und dann kritisiert hatten, ist den Führungsetagen scheinbar aufgefallen, dass sie dabei waren, das Rennen um den größten IT Markt der nächsten Jahre zu verlieren, wenn Generationen mit Linux und AMD anstatt mit den Lösungen anderer Anbieter groß würden.

So entwickelte Intel mit dem "Classmate" ein Konkurrenzprodukt zum XO und vermarktete es offensiv. Dabei schreckte Intel auch nicht - so die Kritik Negropontes - vor negativer PR zurück, um das Non-Profit-Projekt aus dem Rennen zu werfen. Negroponte griff Intel daraufhin scharf an. In einer erstaunlichen Wendung trat Intel dem Projekt im vergangenen Jahr bei.

Jedoch gelang es Negroponte lange nicht, mehr als wohlwollende Absichtserklärungen von Regierungen zu erhalten. "Ich habe zu einem gewissen Grad den Unterschied zwischen dem Handschlag eines Regierungs-Chefs und dem Unterschreiben eines Schecks unterschätzt.", erklärte Negroponte der New York Times.

Der Classmate von Intel (links) gegen das XO von OLPC (rechts)

Jedoch hing und hängt das Ziel von OLPC, das "XO" genannte Laptop tatsächlich zum Stückpreis von 100-Dollar produzieren und vertreiben zu können, davon ab, dass im voraus bezahlte Bestellungen in Millionenhöhe eingeworben werden.

Erst vor wenigen Monaten verkündeten Nigeria und Lybien, die bislang immer als 100-Dollar-Laptop Kandidaten gehandelt wurden, den Classmate einführen zu wollen - ausgerechnet einen Tag, nachdem OLPC den ersten offiziellen Vertrag mit Uruguay bekannt gab.

(Quelle: Heise)

Weitere Informationen

Montag, 7. Januar 2008

Videosnacking und die Kernfamilie des Web 2.0

In einem seiner letzten Newsletter wies Elliot Masie auf die zunehmende Bedeutung von Videos hin: Immer mehr Angestellte würden in ihren Mittagspausen Online-Videos sehen, seien dies nun "lustige YouTube-Videos", die Spam-Schwester zur "lustigen Powerpoint-Präsentation" (Der Unterschied von Mann und Frau, Warum Chefs nichts können müssen...) oder knapp zusammengefasste Nachrichten auf Internetseiten von Tageszeitungen oder Fernsehkanälen.

Die NY Times spricht von "video snacking": "In some offices, workers coordinate their midday Web-watching schedules, the better to shout out punch lines to one another across rows of desks. Some people gravitate to sites where they can reliably find Webcasts of a certain length — say, a three-minute political wrap-up — to minimize both their mouse clicks and the sandwich crumbs that wind up in the keyboard. “Go take a walk around your office” at lunchtime, said Alan Wurtzel, head of research for NBC. “Out of 20 people, I’m going to guarantee that 5 are going to be on some sort of site that is not work-related.”

Elliott Masie fragt also, wie es wäre, wenn man das Konzept des "Video Snacking" zu Lernzwecken nutzte. "Stellen Sie sich vor, Ihre Organisation würde jeden Tag eine kurze 5 bis 7minütige Show für die Mittagspause produzieren. Ideen?"

Eine gute Frage und ein guter Vorschlag, an den wir denken mussten, als wir in unserer Mittagspause die Nachrichten zu den US-Vorwahlen quer lasen, auf den Internetseiten der Kandidaten herumklickten und dabei bemerkten, dass die Obama-Kampagne Video nicht nur benutzt, um ihre Botschaften unters Volk zu bringen, sondern auf der eigens für die Vorwahlen in Iowa angelegten Webseite ein Video verwendet, um die Prozedur des Caucus zu erklären.

Je mehr breitbandiges Internet einer größeren Öffentlichkeit zugänglich wird, desto mehr scheint sich Video als eine der wichtigsten Nutzungsformen zu etablieren (Weswegen Google, das auf ein zukünftiges Geschäft mit Werbung in Videos setzt).

24 Bilder/Sekunde sagen mehr als 1000 Worte

Insofern ist in der Tat nahe liegend, Video auch in Online-Kontexten für das Lernen (und Lehren) zu nutzen. Die "plain english"-Videos von Commoncraft ("sense making for the masses") geben ein Beispiel, wie so etwas aussehen kann. Ein Beispiel dafür, dass in einem guten Video ein komplexer Sachverhalt korrekt und leicht verständlich dargestellt werden kann, ist die legendäre Internet-Folge der "Sendung mit Maus".

Innerhalb von Organisationen, in denen permanent Erfahrung, Kompetenz und Wissen anfallen - und (z.B. bei Neueinstellungen) weitergegeben werden muss, scheint Video ein durchaus probates Mittel.

Ein Kollege berichtete uns, dass ein früherer Arbeitgeber ihn gebeten habe, sich bei Trainerfortbildungen zu filmen. Dabei ging es nicht nur darum, die in seinem Vortrag, der Präsentation, im Verlauf der Schulung von ihm geäußerten Sachinformationen zu speichern, sondern die Gesamtheit der "Performance": Wie wird die Einführung gestaltet? Wie wird mit Fragen, Störungen, Schwierigkeiten umgegangen? Wie verhalten sich Vortrags- und Aktivitätsanteile zueinander?" u.v.a. Im Video scheinen sich - so zumindest die sich in dem Wunsch nach Aufzeichnung und Archivierung ausdrückende Vorstellung - mehr Informationen abzubilden, als in anderen Aufbereitungsformen.

Die Kernfamilie des Web 2.o: YouTube, FlickR, MySpace, Facebook

Apropos Primaries: Bemerkenswert ist ebenfalls die zunehmende und normalisierte Gegenwart von Web 2.0 Tools in der Kommunikation der Präsidentschaftskandidatenkandidaten. Neben den ersten Versuchen von CNN, YouTube im Rahmen der normalen medialen Folklore der großen Fernsehsender einzubetten und dadurch das Internet nicht nur als Kanal zur Verbreitung von Informationen und Botschaften zu nutzen, sondern als digitale "Agora", fällt auf, dass nahezu jeder Kandidat eine Reihe von Web 2.0 Tools auf seiner/ihrer Webseite versammelt.

Anhand dieser Icons wird deutlich, was heute die Kernfamilie oder das Basis-Set des Web 2.0 ist: Youtube, Myspace, FlickR, Facebook und deren lokale Varianten.


Wie bei einer Kernfamilie üblich, gibt es also hier ein unverrückbares Zentrum, die "Eltern" (YouTube und FlickR), um die herum die etwas freier flottierenden Kinder (Facebook und MySpace). Um diese herum gruppieren sich weitere familiäre und außerfamiliäre Kontakte (eon "the largest online gathering of people who are lovin' life on the flipside of 50!", blackplanet, linkedin, meetup, etc.).

Interessant dürfte sein, wie die Familiengeschichte sich weiterentwickelt. Welche Freunde bringen die Kinder mit ins Haus? Wie wird sich die Familie entwickeln?