Am Rednerpult angekommen, lockerte er erstmal seine Krawatte, als müsse er sich zunächst Platz zum Atmen verschaffen. Denn Peter Baumgartner brauchte viel Luft, um von Afrika zu berichten, so sehr bewegt ihn der "Kontinent der Zukunft", wie er seinen Zuhörern versicherte.
Gebannt lauschten die ca. 120 Zuhörerinnen und Zuhörer den Worten des erfahrenen Afrika-Experten, der auf Einladung der Schweizer Stiftung Biovision und des Liechtensteiner Entwicklungsdienstes (LED), über die Situation der Kleinbauern in Kenia berichtete.
"Biologische Landwirtschaft – eine Vision für Afrika?" lautete die Fragestellung, die nach der Einführung Peter Baumgartners ausgewiesene Experten bei einer Podiumsdiskussion im Liechtensteinischen Schaan diskutierten.
Diskutierten in Schaan (v.l.n.r.) Peter Baumgartner (Herausgeber „The Organic Farmer“), Prof. Dr. Christian Borgemeister (Leiter des "Institute for Insect Physiology and Ecology (ICIPE)" in Nairobi, Kenia), Hans Rudolf Herren (Präsident der Stiftung Biovision), Klaus Büchel (Geschäftsführer des Verbands Bäuerlicher Organisationen in Liechtenstein), Dr. phil. Rudolf Batliner, (Leiter der Stiftung Liechtensteinischer Entwicklungsdienst)"Ich bin vorbelastet - ich liebe Afrika, es ist für mich der beste Kontinent", gestand der 65jährige, um zugleich zu versichern, dass er gerade deshalb nicht mit Kritik spare. Mehr als zehn Jahre hatte Baumgartner als Auslandskorrespondent für den Schweizer Tagesspiegel aus Afrika berichtet, 2006 war er mit dem Züricher Journalistenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Seit seiner Pensionierung 2004 widmet sich Baumgartner mit der Herausgabe einer Zeitschrift für ökologische Landwirtschaft der Förderung der Kleinbauern in Kenia.
Mit seinen anschaulichen Schilderungen über den komplexen Wirkungszusammenhang vieler Faktoren wie Land (Besitz), Boden, Infrastruktur, Armut, Mangel an landwirtschaftlicher Bildung, u.v.m. erschloss Baumgartner dem Publikum die schwierige Situation der Kleinbauern in Ostafrika.
Wie wird ein Ziegenstall gebaut?
Viele Kenianer seien nicht freiwillig Bauern, sondern v.a. deshalb in der Landwirtschaft, weil es zu wenig Arbeitsplätze im sekundären oder tertiären Sektor gebe. Landwirtschaft werde in Kenia nur zur Selbstversorgung betrieben. Dies habe wiederum eine allgemein niedrige Kaufkraft zur Folge, da nicht genügend landwirtschaftliche Güter produziert würden, die die Farmer verkaufen könnten, um andere Güter nachzufragen oder in die Verbesserung der Produktion zu investieren. Auch verfügten viele Farmer nicht über das nötige Wissen, um ihren Hof angemessen zu bewirtschaften.
Ein Problem, dem Baumgartner mit der Herausgabe der Zeitung "The Organic Farmer" entgegen zu wirken versucht. Monatlich werden 16'000 gedruckte Exemplare an interessierte Bauerngruppen in Kenia kostenlos verteilt. Auf diese Weise erhalten 100 ‘000 Bäuerinnen und Bauern konkrete Anleitungen und praktische Tipps, wie sie ihre Erträge nachhaltig mit einfachen, umweltfreundlichen Mitteln sichern und steigern können. Wie sollte ein Ziegenstall gebaut sein? Auf welche Weise kann Kuhmist zu Dünger aufbereitet werden? Auf all solche Fragen gibt das von der Schweizer Stiftung Biovision finanzierte Magazin Antwort.
Um sicher zu gehen, welche Methoden der Viehzucht, Schädlingsbekämpfung, Ernteverfahren, neues Saatgut u.v.m. funktionieren, betreibt Peter Baumgartner mit Unterstützung afrikanischer Helfer einen Modellhof. Hier wird alles zunächst ausprobiert, bevor im "Organic Farmer" darüber berichtet wird. "Vieles klappt, manchmal geht es in die Hose, aber so wissen wir, was funktioniert und was nicht.", erklärt Baumgartner.
Mit Computer und Internet für mehr Bildung
Das bei den Kleinbauern sehr beliebte Magazin wird auch über die Internetplattform INFONET-Biovision.org verbreitet, die von Hans Rudolf Herren, Präsident der Stiftung Biovision als ein Beispiel innovativer Entwicklungsarbeit vorgestellt wurde. Die von Avallain technisch entwickelte internetbasierte Datenbank bietet umfangreich bebildertes Material rund um umweltfreundliche Schädlingsbekämpfung, Wasseraufbereitung, Bodenbewirtschaftung, Tiergesundheit u.v.m.
Die Wissensplattform INFONET-Biovision.org kann auch offline z.B.über das sogen. 100-Dollar-Laptop verfügbar gemacht werden,
welches Dr. Hans Rudolf Herren, Präsident der Stiftung Biovision präsentierte.
Ein absoluter Anziehungspunkt: Nach der Veranstaltung nutzten viele Besucher die Gelegenheit, INFONET-Biovision.org auf dem 100-Dollar-Laptop auszuprobieren.Im weiteren Verlauf des Abends diskutierten neben Peter Baumgartner auch Dr. Hans Rudolf Herren (Gründer und Stiftungsratspräsident der Stiftung Biovision), Prof. Dr. Christian Borgemeister (Leiter des "Institute for Insect Physiology and Ecology (ICIPE)" in Nairobi, Kenia), sowie Klaus Büchel (Geschäftsführer des Verbands Bäuerlicher Organisationen in Liechtenstein) unter der Leitung von Dr. phil. Rudolf Batliner, (Leiter der Stiftung Liechtensteinischer Entwicklungsdienst) die Frage, ob der Biolandbau eine reelle Vision für Afrika sein und die Ernährungssicherheit für die Bevölkerung garantieren könne. Eine Frage, die alle Diskutanten klar bejahten.
Zahlreiche Studien belegten, dass die Welternährung mit ökologischer Landwirtschaft gesichert werden könne, so Biovision-Präsident Herren. Viele Projekte der Biovision zeigten, dass sich mit vergleichsweise geringen Maßnahmen und Investitionen nachhaltige Ergebnisse zur Verbesserung der Produktivität der Landwirtschaft, der Stabilisierung der Märkte und Steigerung der Einkommen erzielt werden könnten.
Es lohnt sich, Optimist zu sein
So blieb am Ende des Abends ein Eindruck von Zuversicht und Aufbruch. Es sei sehr leicht, in Bezug auf Afrika pessimistisch zu sein, erklärte Peter Baumgartner. Er selber könne tausende Beispiele nennen, die die schwierigen Perspektiven Afrikas belegten – aber Optimist zu sein, verlange besondere Anstrengungen, die zu unternehmen sich sehr lohnten.
So erfahre er den Umstand als beglückend, in Kenia immer der Älteste zu sein, wohin er auch gehe. Sicher seien Ernährung und Bildung eine schwierig zu lösende Aufgabe – aber grundsätzlich sehe er die Kinder als einen Reichtum und das große Versprechen für eine positive Entwicklung in der Zukunft
Das 100-Dollar-Laptop fest im Griff: (v.r.n.l.) Ursula Suter (Geschäftsführerin Avallain AG), Prof. Dr. Christian Borgemeister (Direktor ICIPE), Dr. Hans Rudolf Herren (Stiftungsratspräsident Biovision), Andreas Schriber (GeschäftsführerBiovision Weitere Informationen:
- Biovision Stiftung für Umwelt und Entwicklung: www.biovision.ch
- Liechtensteiner Entwicklungsdienst: www.led.li
- Die von Biovision und Avallain entwickelte Internetplattform zu Agrarinformationen: www.infonet-biovision.org
- Das von Biovision finanzierte, von Peter Baumgartner herausgebene Magazin The Organic Farmer bietet Kenianischen Kleinbauern praktische Tipps und Hinweise zum ökologischen, nachhaltigen Landbau
- Das 100-Dollar-Laptop wird im Rahmen der Non-Profit-Initiative "One Laptop Per Child" entwickelt und soll an Kinder in Entwicklungsländern verteilt werden: www.laptop.org
- Die "Schweizer Schule" im Slum - Bericht über die von Peter Baumgartner in Nairobi gegründete Schule
